Video-Trailer: Ghetto-Trilogie / Savonarola, © Theater Kiel

URAUFFÜHRUNG:
Volker David Kirchner: Ghetto / Savonarola

Eigentlich wollte er keine Oper mehr schreiben, doch dann stieß er auf Girolamo Savonarola und es packte ihn. Volker David Kirchners zehnte Oper setzt sich mit jenem Mönch auseinander, der 1494 in Florenz einen Gottesstaat ausrief.

 

Florenz erhielt eine neue Verfassung, es wurden Bürger-Räte gebildet, die bisherigen Herrscher vertrieben und die Steuergesetzgebung verändert. Auf „Scheiterhaufen der Eitelkeiten“ wurden Schmuck, Spiegel, Musikinstrumente, Gemälde und Bücher verbrannt, unter Aufsicht Savonarolas wurden aus Kindern „Soldaten Gottes“, die über Sitte und Ordnung wachten. Nach vier Jahren war der Spuk vorbei: 1498 wurde Savonarola als Ketzer zu Tode verurteilt.

 

War er nun ein großer Reformator oder doch nur ein intoleranter Pseudo-Prophet? Kirchner stellt die Frage neu: In kurzen Szenen blättert die Oper Stationen aus Savonarolas Leben auf und zeigt ihn dabei in seiner Doppelgesichtigkeit als Idealisten und als Despoten.

 

Volker David Kirchner reiht sich als Komponist bewusst in die lange Reihe musikalischer Traditionen ein, greift Stilmerkmale oder einzelne Melodien anderer Komponisten auf. Ein weiteres Merkmal ist aller Musik Kirchners zu eigen: Sie hat etwas zu sagen und appelliert an den Hörer. Kirchners Credo: „Musik ohne Botschaft ist für mich keine Musik.“

 

Musikalische Leitung: Georg Fritzsch
Regie und Ausstattung: Andrej Woron
Choreografie: Lars Scheibner

 

opernweltRezension der Uraufführung
in der Zeitschrift "Operwelt"

 

 

 

 

 

 

 

Der Komponist Volker David Kirchner

Volker David Kirchner, geboren am 25.6.1942, stammt aus einer Familie mit einer langen musikalischen Tradition. Er studierte von 1956 bis 1959 bei Günter Kehr (Violine) und Günter Raphael (Komposition) am Peter-Cornelius- Konservatorium in Mainz und von 1959 bis 1963 an der Musikhochschule Köln, wo er auch Meisterkurse bei Bernd Alois Zimmermann besuchte.

Von 1962 bis 1964 war er Solo-Bratscher beim Rheinischen Kammerorchester Köln, nach weiteren Studien bei Tibor Varga in Detmold wurde er als Bratscher im Frankfurter Radio-Sinfonie-Orchester verpflichtet. Mit dem Kehr-Trio unternahm er Konzertreisen nach Südamerika, Nordafrika und in den Vorderen Orient und beschäftigte sich intensiv mit außereuropäischer Musik. Parallel zu seinem Wirken als Orchestermusiker gründete er 1970 in Wiesbaden das Ensemble 70 und arbeitete ab 1972 als Komponist für Bühnenmusik am Hessischen Staatstheater in Wiesbaden.

Szenenbild: Die Trauung, Oper von Volker David Kirchner

 

Seit 1988 ist Volker David Kirchner freischaffender Komponist; sein Werk umfasst alle Gattungen; neben zahlreichen Kompositionen für das Musiktheater vor allem Kammermusik und Orchesterwerke. Seine Oper "Gilgamesh", ein Auftragswerk der Niedersächsischen Staatsoper Hannover anlässlich der EXPO 2000, wurde im Mai 2000 uraufgeführt, seine neueste Oper "Ahasver", ein Auftragswerk des Theaters Bielefeld, fand ihre Uraufführung im Mai 2001 in Bielefeld.

Volker David Kirchner wurde mit zahlreichen Preisen und Ehrungen ausgezeichnet, u.a. 1974 mit dem Preis des Landes Rheinland-Pfalz für Junge Komponisten (für seine erste Oper "Die Trauung"), dem Kunstpreis des Landes Rheinland-Pfalz (1977), der Gutenberg-Plakette der Stadt Mainz (1992), dem Musikpreis des Rheingau Musik Festivals (Erster Preisträger, 1994) sowie mit dem Kompositionspreis der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und der Kreissparkasse Hannover (1995). Im Jahr 1992 berief ihn die Stiftung Villa Musica Mainz in ihren künstlerischen Beirat.